Bericht in der PZ v. 24.8.19

Von PZ-Mitarbeiter
Franz-Josef Majer

Der beliebte
Prinzregent

Luitpold Karl Joseph Wilhelm von Bayern (1821 bis 1912) war von 1886 bis zu seinem Tod Prinzregent des Königreiches Bayern – zunächst für drei Tage für seinen Neffen König Ludwig II., dann für dessen geisteskranken Bruder Otto I.  Der fünfte Sohn von König Ludwig I. übernahm die Staatsgeschäfte eher mit Widerwillen, auch die Bayern waren nicht begeistert. Doch das änderte sich schnell. Als volkstümlicher Monarch trug er lieber Lederhosen und bayerische Tracht als fürstlichen Ornat. Im Laufe seiner 26-jährigen Regentschaft verstand es, durch Bescheidenheit, Tüchtigkeit und Volkstümlichkeit die Zuneigung seiner Untertanen zu gewinnen. (fjm)

„Das hätte ich nie und nimmer hier erwartet!“ Zum 110. Jubiläum des Luitpoldturms ist ein alter Manuskriptabzug seines Initiators Fritz Claus aufgetaucht Von PZ-Mitarbeiter Franz-Josef Majer Zufälle gibt’s! Da kommen am Rande des Hungermarsches in Rodalben das Ehepaar Hauke und Helmut Wilhelm aus Clausen ins Gespräch über den Luitpoldturm. Wilhelm berichtet von den Aktivitäten des Luitpoldturm-Fördervereins Pfälzerwald und dass dessen Bau vor 110 Jahren auf Fritz Claus zurückgehe. „Mit dem bin ich verwandt“, meint Ursula Hauke. Sie besitze sogar einen Manuskriptabzug von dessen letzten Buch mit Korrekturen des Autors, erzählt sie und erklärt sich sofort bereit, dies dem Verein zur Verfügung zu stellen. Helmut Wilhelm ist begeistert. Und so wird das Buch der Öffentlichkeit bei der Vereinsfeier zum 110. Jubiläum der Einweihung des Luitpoldturms am Samstag, 31. August in der Falkenburghalle in Wilgartswiesen vorgestellt. Bei einem Treffen beim Vereinsvorsitzenden Franz Mayer auf dem Hermersbergerhof übergaben die Haukes das Buch und auch eine Büste von Fritz Claus dem Vorstand. „Ich bin froh, dass das Buch damit einen würdigen Platz finden wird,“ meinte Ursula Hauke. Der Pfarrer Martin Jäger, der sich als Schriftsteller hinter der Pseudonym Fritz Claus verbarg, war ein Cousin ihrer Mutter Frieda Loreth. „Er war für uns der Onkel“, berichtete Ursula Hauke. Ihr Vater Hans Loreth, ehemaliger Rektor der Mozartschule in Rodalben, besaß mehrere Bücher und Bilder aus dem Nachlass des „Sängers des Pfälzerwaldes“, die er seinen Kindern Waltraud, Ursula und Manfred vererbte. „Fritz Claus ist der Vater des Luitpoldturms. Mit unserem Verein, der sich für den Erhalt des Turms einsetzt, haben sie den richtigen Partner für das wertvolle Buch gewählt“, freute sich Franz Mayer. Er bot Ursula Hauke spontan die Ehrenmitgliedschaft im Verein an. Der umtriebige katholische Pfarrer Fritz Claus hat in vielen Gedichten und Theaterstücken die Schönheit seiner pfälzischen Heimat gepriesen. Sein letztes Werk hat er jedoch der Stadt Bad Mergentheim vermachte, wo er mehrmals zur Kur weilte. Unter dem Titel „Mergentheim – ein Sang aus uralten, alten und neuen Zeiten. Sage, Legende und Geschichte“ sind hier 524 Gedichte über die Geschichte der Stadt vereint. Der Manuskriptabzug enthält die Gedichte als Durchschrift mit einer Schreibmaschine auf dünnem Papier geschrieben. Handschriftlich ist er unter dem Eintrag „Edenkoben im Juli 1918“ als „Eigentum … von Martin Jäger in Edenkoben und Fritz Claus“ ausgewiesen. Der Autor hat darin zahlreiche Änderungen an seinen Gedichten vorgenommen. „Es ist also die letzte Korrektur vor der Veröffentlichung im Verlag Huber in München“, berichtete Vereinsmitglied Otto Ottenbreit, ehemaliger Lehrer aus Kindsbach. Außer dem Buch der Haukes gebe es seines Wissens nur noch ein Exemplar im Institut für Zeitgeschichte in Stuttgart. Für die Pfalzbibliothek in Kaiserslautern sei es eine Rarität. In deren Bestand soll es aus Dauerleihgabe auch eingehen. Die Übergabe wird zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Einem Zufall ist auch der Bau des Luitpoldsturms zu verdanken. 1896 machte Fritz Claus nämlich einen längeren Herbsturlaub auf dem Hermersbergerhof. Und dort traf er zufällig den Forstarbeiter Schuppert, der im erzählte, dass auf dem nahen Weißenberg an einer hohen Eiche eine Leiter angebracht sei, von der aus man einen herrlichen Ausblick habe. Der Pfarrer bestieg sofort die Eiche und war hellauf begeistert. In seiner Rede bei der Einweihung des Luitpoldturms 1909 schilderte er seine Eindrücke: „Da stand ich nun, mich an der Eiche festhaltend und schaute mit stummem Entzücken festgebannt vor Überraschung über den großartigen, einzig schönen Ausblick, der sich hier dem Auge bietet. Nein das hätte ich nie und nimmer hier erwartet!“ Es dauerte aber noch einige Jahre, bis die Idee eines Aussichtsturmes konkret wurde. Im 1902 gegründeten Pfälzerwald-Verein fand Claus Unterstützer, so dass 1903 der Verein grundsätzlich beschloss, einen Turm zu errichten. Fritz Claus und der PWV-Hauptvereinsvorsitzende Karl-Albrecht von Ritter sammelten unermüdlich Spenden. Claus gründete sogar einen Spendenfonds, der Architekt Ludwig Ullmann, von Ritters Schwiegersohn, erstellte die Pläne und schätzte die Kosten auf 16 000 Goldmark. Als knapp 10 000 Goldmark gesammelt waren, wurde am 19. Juli 1908 mit dem Bau begonnen. Auf Vorschlag des Forstbeamten von Ritter wurde dem Turm, der auf der Gemarkung Merzalben steht, der Name des damals beliebten bayerischen Prinzregenten Luitpold gegeben. Zur Einweihung am 26. September 1909 feierten Tausende aus nah und fern auf dem 610 Meter hohen Weißenberg ein Volksfest. Kriegsschäden und Vandalismus setzten dem Turm, der mittlerweile dem Land Rheinland-Pfalz gehört, im Laufe der Jahrzehnte zu. Weil die Schließung drohte, sammelte Forstmeister Klaus Albert Ende der 1990er Jahre rund einen halbe Million Mark für die Sanierung des Bauwerkes. Dabei wurden auch Orientierungsplaketten auf der Brüstung der Aussichtsplattform angebracht. 184 Stufen führen auf die Aussichtsplattform des 34,6 Meter hohen Turms. Von hier aus bietet sich ein Panorama mit über 400 Gipfeln, Türmen und Burgruinen des Pfälzerwaldes bis in den Hunsrück, den Odenwald, den Schwarzwald und die Vogesen. In dem Kaminzimmer auf Fuße des Turms befindet sich einer Infotafel. Hier kann man grillen und sich ausruhen. Der Turm ist an die Gemeinde Merzalben verpachtet, die ihn und das umliegende Gelände in Ordnung halten muss. Dieser Aufgabe hat sich auch der Luitpoldturm-Förderverein Pfälzerwald mit seinen 77 Mitgliedern verpflichtet, der 2017 gegründet wurde. „Wir wollen mit unseren Aktivitäten auch bei uns Pfälzern selbst die Liebe zu unserer Heimat beleben, pflegen und verbreiten. Wir wollen dadurch den Tourismus in unserer Region fördern. Denn die Menschen schätzen den Pfälzerwald als Erholungs- und Urlaubsgebiet“, erläutert der Vorsitzende Franz Mayer. Der Verein veranstaltet unter anderem Infoabende und Wanderungen, die Mitglieder packen auch der Pflege und Instandhaltung des Turms und der Zugangswege mit an. Höhepunkt in diesem Jahr wird die Festveranstaltung am Samstag, 31. August, ab 18 Uhr in der Wilgartishalle in Wilgartswiesen sein. Der Historiker Jürgen Kettigkeit hält einen Vortrag über die gemeinsame bayerisch-pfälzische Epoche vom Wiener Kongress bis zum Ende des II. Weltkrieges. Der Kulturbeauftragte des Pfälzerwaldvereins würdigt die Leistungen des Initiators des Luitpoldturmes, Fritz Claus . Danach erfolgt die Übergabe eines Manuskriptabzuges in der Originalfassung, in Buchform. Die bekannten Fotografen Michael Lauer aus Zweibrücken und Stephanie Ser zeigenzum Abschluss Bilder über den Luitpoldturm und den Pfälzerwald. Alle Interessierten sind willkommen. Der Eintritt ist frei.

Der Luitpoldturm-Förderverein Pfälzerwald  e.V.

                                     EINLADUNG

110 Jahre Luitpoldturm

Jubiläumsfeier

am Samstag 31.08.2019  – 18°° Uhr

              Wilgartishalle, Wilgartswiesen, Schulstr. 6

Programm:

Vortrag bayerisch/pfälzische Epoche

   vom Wiener-Kongress bis 1945 durch

   den bekannten Historiker Kettigkeit

Würdigung des Initiators des   

   Luitpoldturmes, Fritz Claus

–  Lichtbildervortrag über den Luitpold-

   Turm und den Pfälzerwald durch die

    bekannten Fotografen, Herr Lauer und Frau Ser

–  Übergabe eines einmaligen Originalmanuskriptes

   von Fritz Claus an den Verein

–  Eintritt frei

Laternenwanderung rund um den Luitpoldturm am o3. November 2018

Ein kalter Nordost-Wind hielt am Samstagabend über 100 Besucher, darunter 3o Kinder, nicht davon ab, an der sagenhaften historischen Wanderung rund um den
Luitpoldturm auf dem Hermersbergerhof teilzunehmen.

Vom Parkplatz „Luitpoldstein“ führte der Weg bei völliger Dunkelheit, nur ausgerüstet mit Laternen, auf den 90-minutigen Weg. Unterwegs begegneten die Teilnehmer den sagenhaften historischen Gestalten unserer Region, den Rittern, Hexen und Geistern in deren mittelalterlichen Gewändern.

Am schummrig beleuchteten Turm angekommen servierte der „Turmverein Pfälzerwald e.V.“ am wärmenden Kaminfeuer heiße Getränke und süße Köstlichkeiten.

Die Besucher waren sehr positiv gestimmt und wünschten im kommenden Jahr weitere Veranstaltungen dieser Art. Die „Südwestpfalz Gästeführer „ und der Vorstand des „Luitpoldturm-Förderverein Pfälzerwald e.V.“ nahmen
diese Anregung wohlwollend zur Kenntnis.

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